Samstag, 20. Mai 2017

Eden Summer - Liz Flanagan


Der Gedanke, dass ein geliebter Mensch plötzlich spurlos verschwindet, ist sicherlich für uns alle eine furchtbare Vorstellung. In Eden Summer von Liz Flanagan erlebt die Protagonistin Jess genau dies: Ihre beste Freundin Eden wird plötzlich vermisst. Für Jess ist das Verschwinden von Eden eine Katastrophe und sie macht sich furchtbare Sorgen. Natürlich kann sie nicht tatenlos zu Hause herumsitzen und macht sich zusammen mit Edens Freund Liam auf die Suche nach ihr. Doch Jess und Liam teilen ein Geheimnis und Jess plagen furchtbare Schuldgefühle. Hat sie etwas mit Edens Verschwinden zu tun? Oder sind andere Geschehnisse aus dem letzten Sommer dafür verantwortlich?

Jess und Eden sind sehr unterschiedlich, aber trotzdem verbindet die beiden Mädchen eine tiefe Freundschaft. Eden gilt als beliebt und wird von allen sofort gemocht. Jess hingegen ist zurückhaltend und Neuem gegenüber vorsichtig. Beide Mädchen haben jedoch in ihrer jüngsten Vergangenheit prägende Erfahrungen gemacht und versuchen sich gegenseitig zu helfen. Doch Eden hat besonders im vergangen Sommer stark gelitten, sich untypisch benommen und ist nun auf einmal verschwunden. Die Frage, die sich durchgängig beim Lesen stellt, ist ob sie sich selbst etwas angetan hat oder ob jemand anderes etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hat. Egal, was passiert ist, für Jess steht fest, dass sie Eden finden muss. Die Geschehnisse werden aus ihrer Sicht geschildert und das gesamte Buch spiegelt die Ereignisse nur eines einzigen Tages wider. Was die Handlung besonders spannend gestaltet sind die regelmäßigen Rückblicke in die Vergangenheit. Während sie Eden sucht, blickt Jess auf vergangene Geschehnisse zurück und versucht hier die Antwort für das Verschwinden ihrer besten Freundin zu finden. Sofort wird hier deutlich, dass es beide Mädchen nicht leicht hatten beziehungsweise haben. Beim Lesen merkt man ebenfalls schnell, dass Jess eine außergewöhnliche Protagonistin ist. Aufgrund der Ereignisse in ihrer Vergangenheit ist sie vorsichtig, fast ängstlich, aber gleichzeitig versucht sie stark zu sein und stellt sich ihren Ängsten - für ihre beste Freundin.

Obwohl die Geschichte aus Jess' Sicht geschildert wird, lernt man in den Rückblenden auch Eden kennen. Sehr interessant fand ich, dass beide Mädchen grundverschieden sind, trotzdem ist aber zu spüren, wie eng verbunden sie sich fühlen. Vor allem Jess' Hoffnung und Verbissenheit, Eden zu finden, machen die Geschichte sehr emotional. Besonders spannend ist dieser Aspekt, da Eden in den Rückblenden nicht immer sehr positiv dasteht - eher im Gegenteil. Sie wirkt kratzbürstig und unsympathisch, zu ihr konnte ich daher kaum eine Verbindung aufbauen. Andererseits hat dieser Kontrast das Buch zu etwas Besonderem gemacht, da Jess trotz Edens Verhalten im Sommer immer noch so viel Liebe für sie empfindet, die ganz deutlich zu spüren ist.

Um endlich herauszufinden, was Eden zugestoßen ist und wie genau die Ereignisse der Vergangenheit mit ihrem Verschwinden zusammenhängen, bin ich nur so durch Eden Summer gerast. Die Geschichte fesselt, ist emotional und steckt voller Überraschungen. Jess ist eine tolle Protagonistin und würde alles für ihre beste Freundin tun. Auch wenn Eden nicht übermäßig sympathisch ist, hofft man dennoch, dass es ihr gut geht und das Jess sie finden kann. Insgesamt daher eine tolle Geschichte, die nicht nur Freundschaft zum Thema hat, sondern sich auch mit Gewalt und Verlust auseinandersetzt. Von mir gab es dafür 4 von 5 Herzen.


Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos vom Verlag für eine Rezension zugeschickt.

368 Seiten, Hardcover
Verlag: Aladin Verlag
Übersetzer: Sabine Schulte
Reihe: Nein
Eden Summer bei Amazon

Mittwoch, 17. Mai 2017

MonatsBlick April 2017

Auch wenn der Mai schon ordentlich fortgeschritten ist, möchte ich heute noch einmal auf den April zurückblicken. Denn der letzte Monat war sehr erfolgreich für mich: Ganze 6 Bücher habe ich beendet - zugegeben, den Großteil eines Buches habe ich noch im März gelesen, aber ich zähle für mich in den Lesemonat immer die Bücher, die ich beendet habe, auch wenn ein Teil davon im Vormonat gelesen wurde. 



Direkt Anfang April habe ich Dark Noise von Margit Ruile beendet. Die Geschichte klang super spannend, weshalb ich es unbedingt lesen wollte. Es geht hier um den Bildretuscheur Zafer, der nichtsahnend wichtiges Videomaterial bearbeitet und damit ungewollt in Geschehnisse verwickelt wird, die durchaus gefährlich für ihn werden können. Letztendlich konnte mich die Geschichte jedoch nicht begeistern, Näheres dazu könnt ihr aber HIER in meiner Rezension nachlesen. 

Weiter ging es für mich mit dem Buch, das am längsten auf meinem Stapel ungelesener Bücher lag: Schneewittchen muss sterben von Nele Neuhaus. Dies ist der vierte Teil der Taunus-Krimi-Reihe und ich finde die Bücher allesamt klasse. Über diesen Band habe ich im Voraus schon viel Gutes gehört, am besten von den bisherigen Büchern hat er mir aber nicht gefallen (das ist Band drei Tiefe Wunden, falls es euch interessiert). Trotzdem ein klasse Buch, das ich sehr gerne gelesen habe. Inhaltlich geht es in diesem Krimi um zwei Morde, die vor 10 Jahren passiert sind und bei denen der Mörder seine Strafe abgesessen hat und nun in seine Heimat zurückkehrt. Kurz darauf wird eine Leiche gefunden und die Ermittlungen bringen Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein in das kleine Dorf, in dem der mutmaßliche Mörder lebt und dort seit seiner Entlassung von allen Bewohnern geächtet wird. Falls ihr die Krimis von Nele Neuhaus noch nicht gelesen habt, ich kann sie sehr empfehlen! 

Danach habe ich ein weiteres Ebook beendet: Mein schönes falsches Leben von Hilary Freeman. Leider war dieses Buch trotz der spannend klingenden Geschichte eher eine Enttäuschung für mich. Die Protagonistin Ella wacht eines Morgens auf und ihr Leben ist nicht mehr so wie zuvor: Ihre Eltern sind nicht geschieden, sie hat zwei andere beste Freundinnen und auch ihre Frisur und Zimmer sind völlig anders als zuvor. Ella hat keine Ahnung, was passiert ist, sich bemüht aber krampfhaft, alle Änderungen wieder rückgängig zu machen und ihr altes Leben wiederzubekommen. Hauptsächlich verfolgt man als Leser Ella genau dabei: Sie versucht, sich mit den Menschen zu befreunden, die sie aus ihrem alten Leben kennt, ihre alten Fächer und Interessen zurückzuerhalten und ähnliches. Auf Dauer wurde das leider etwas langweilig, weshalb mich das Buch nicht begeistern konnte. Dazu wird es aber voraussichtlich noch eine ausführlichere Rezension geben. 

Mein schlimmster schönster Sommer von Stefanie Gregg hat meinen Erwartungen leider ebenfalls nicht wirklich entsprochen. Bei dieser eigentlich traurigen Geschichte kamen bei mir leider kaum Emotionen auf. Wer aber Genaueres dazu erfahren möchte, findet HIER meine Rezension dazu. 

Danach habe ich ein weiteres Sommerbuch gelesen: Eden Summer von Liz Flanagan. Schon einmal vorweg: Dieses Buch hat mir wirklich gut gefallen. Eine spannende Geschichte mit einer tollen Protagonistin! Hierzu werde ich aber noch eine Rezension schreiben, in der ihr bald weitere Infos zum Buch findet. 

Mein letztes Buch im April war Black Rabbit Hall von Eve Chase - mein absolutes Monatshighlight! Den Fokus des Buches bildet ein altes Familienanwesen, genannt Black Rabbit Hall, das im Besitz der Familie Alton ist. Erzählt werden zwei Geschichten: Einmal die Geschehnisse in den späten 1960er Jahren, die aus Sicht von Amber geschildert werden. Sie verbringt regelmäßig Zeit mit ihren Eltern und Geschwistern auf Black Rabbit Hall und für sie bedeutet das Haus Gemütlichkeit und Idylle - bis ein schreckliches Ereignis das Leben der ganzen Familie auf den Kopf stellt. Im zweiten Handlungsstrang besucht Lorna in der Gegenwart Black Rabbit Hall, da sie dort ihre Hochzeit feiern möchte. Sie ist sehr an der Geschichte des Hauses interessiert und macht einige interessante Entdeckungen. Wenn ihr so wie ich Geschichten liebt, in denen es um ein altes Familiengeheimnis geht, ist dieses Buch genau das Richtige für euch. Unbedingt lesen!

Samstag, 13. Mai 2017

Mein schlimmster schönster Sommer - Stefanie Gregg



Der Klappentext von Mein schlimmster schönster Sommer von Stefanie Gregg hat mich sofort angesprochen. Es klang nach einer berührenden, aber trotzdem lebensfrohen Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Voller Neugier habe ich daher auch angefangen zu lesen, muss aber leider sagen, dass mich das Buch nicht völlig mitreißen konnte.

Aber zuerst einmal zur Geschichte: Isabel ist eine Karrierefrau - sie ist erfolgreich in ihrem Beruf, muss sich über Geld keine Sorgen machen und hat zudem einen attraktiven Mann an ihrer Seite. Eigentlich dachte sie, dass sie alles hat, was man zum Glücklichsein braucht. Doch dann macht ihre Gesundheit Isabel einen Strich durch die Rechnung: Sie hat einen männerfaustgroßen Tumor in ihrem Bauch. Zwei Wochen lang wird sie laut der Ärzte jedoch Ungewissheit haben, wie das weitere Vorgehen ist - für Isabel eine schier unmögliche Situation. Aus dem Affekt mietet sie sich einen VW-Bus, um damit alleine in die Provence zu fahren und dort innerlich zur Ruhe zu kommen. Aber wie so oft kommt es anders als man denkt. Denn der Besitzer des VW-Busses Rasso schließt sich Isabel spontan an. Er ist jedoch das komplette Gegenteil von ihr: Er lebt in den Tag hinein, Musik ist sein Leben und er träumt davon, dass er eines Tages sein Geld damit verdienen kann. Für beide beginnt so ein spannendes Abenteuer und der Sommer ihres Lebens. 

Als Leser wird man nicht lange auf die Folter gespannt und das Buch setzt ziemlich direkt mit Isabels Kaufs des VW-Busses ein. So lernt man auch schnell Rasso kennen und bemerkt, dass er und Isabel grundverschieden sind. Trotz ihres Hintergrunds als Businessfrau ist Isabel - wie man vielleicht meinen könnte - nicht vollkommen steif und unentspannt. Aber normalerweise plant sie alles genau durch und da ist dieser spontane Trip mit dem VW-Bus völlig untypisch für sie. Sehr schnell ist bei ihr eine Entwicklung zu spüren - die Krankheit zwingt sie dazu, einige Dinge in ihrem Leben zu überdenken und macht sie so paradoxerweise ein Stück glücklicher. Diesen Aspekt der Geschichte fand ich sehr spannend, zumal einige Passagen auch nicht nur aus Isabels Sicht geschildert werden. Kleinere Abschnitte, die gegen Ende des Buches immer häufiger auftreten, werden von ihrem Freund erzählt. Er hat keinen Schimmer, wo Isabel steckt, er kann sie nicht erreichen und macht sich große Sorgen um sie. So bekommt man auch einen kleinen Einblick in Isabels "vorheriges" Leben, beziehungsweise lernt einen bedeutenden Menschen aus ihrem normalen Leben kennen. 

Womit ich bei Mein schlimmster schönster Sommer jedoch Probleme hatte war, dass vor allem zu Beginn des Buches einige Geschehnisse für mich zu abgedreht waren. Isabel und Rasso geraten in Angelegenheiten hinein, die höchst unwahrscheinlich sind und man hätte die daraus entstehenden Probleme vielleicht auch einfacher lösen können. Da dies vor allem am Anfang geschieht und manche Erlebnisse von Isabel und Rasso zu sehr an den Haaren herbei gezogen wirkten, konnte ich zu dem Rest der Geschichte auch keine wirkliche Beziehung aufbauen. Der weitere Verlauf des Buches und auch das Ende konnten mich daher leider kaum berühren - wirklich sehr schade. Es wurde krampfhaft versucht, das traurige Thema mit lustigen Geschehnissen und so mit Humor zu verbinden, was meiner Meinung nach aber leider nicht ganz gelungen ist. 

Nichtsdestotrotz ist die Entwicklung Isabels in Mein schlimmster schönster Sommer gut ausgearbeitet und durch den Perspektivenwechsel bekommt man einen Einblick in ihr normales Leben, was die Geschichte dynamischer gestaltet. Beim Lesen kamen bei mir jedoch kaum Emotionen auf, daher gibt es für das Buch von mir 3 von 5 Herzen. 


Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos vom Verlag für eine Rezension zugeschickt.

304 Seiten, Taschenbuch
Reihe: Einzelband


Mittwoch, 26. April 2017

Dark Noise - Margit Ruile


Dark Noise von Margit Ruile hat mich aufgrund der spannenden Inhaltsangabe direkt angesprochen: Der junge Bildretuscheur Zafer bekommt einen anonymen Auftrag, den er annimmt ohne auch nur im Geringsten zu ahnen, welche Konsequenzen dies mit sich bringt. Nach und nach kommen weitere Retusche-Aufträge, der Auftraggeber selbst gibt sich jedoch nicht zu erkennen. Doch dann sieht Zafer in den Nachrichten eine Überwachungskamera-Sequenz, die er selbst manipuliert hat - ein Journalist wurde ermordet und auf den Bildern ist der Mörder zu erkennen. Doch Zafer weiß, dass die Sequenz gefälscht ist und gerät so nicht nur in einen Gewissenskonflikt, sondern wird plötzlich selbst gejagt.

Die Geschichte greift somit ein hochspannendes und aktuelles Thema auf: das Streuen falscher Nachrichten in den Medien. Der Einstieg in das Buch hat mich auch packen und begeistern können. Der Erzähler bleibt anonym und lässt durchblicken, dass es mit Zafers Geschichte etwas Besonderes auf sich hat. Dieser spezielle Erzählstil hat mich anfangs sehr gereizt und neugierig auf die weiteren Ereignisse gemacht. Sehr schnell begleitet man Zafer dann auch dabei, wie er seinen ersten anonymen Auftrag erhält. Nach kurzer Zeit habe ich allerdings nicht mehr mit großer Begeisterung weiter gelesen, da die Spannung für meinen Geschmack nicht lange aufrecht erhalten werden konnte. Zafer gerät in Schwierigkeiten und es kommt ein weiterer Protagonist hinzu, aber aufgrund des sehr nüchternen Schreibstils konnte ich mich in beide Charaktere kaum hineinversetzen. 

Dark Noise regt einerseits zum Nachdenken an und lässt einen hinterfragen, ob tatsächlich alles wahr ist, was man so sieht. Andererseits hatte ich mit der Umsetzung einige Schwierigkeiten. Die Charaktere bleiben blass, besonders mir Zafer hatte ich Probleme und auch die Handlung nimmt leider nicht wirklich an Fahrt auf. Dafür gibt es von mir 3 von 5 Herzen.


Dieses Ebook wurde mir kosten- und bedingungslos vom Verlag für eine Rezension zur Verfügung gestellt.

288 Seiten, Klappenbroschur - auch als Ebook erhältlich
Verlag: Loewe Verlag
Reihe: Einzelband
Dark Noise bei Amazon

Samstag, 22. April 2017

Die Sache mit dem SUB - 2. Teil

Ich habe auf meinem Blog bereits mehrmals das Thema SUB angesprochen - beziehungsweise erwähnt, dass ich hier kein großes Fass aufmachen will, ich meinen Stapel ungelesener Bücher aber abbauen möchte. In diesem Zusammenhang habe ich vor zwei Jahren meinen SUB nach den zehn Büchern abgesucht, die dort schon am längsten liegen. Dazu habe ich auch ein Video auf meinem damaligen YouTube-Kanal hochgeladen. Es hat lange gedauert - länger als gedacht -, aber vor Kurzem habe ich das letzte dieser zehn Bücher gelesen! 

Es ist also für mich an der Zeit, Runde Zwei des Projekts einzuläuten. Wieder habe ich meine zehn ältesten SUB-Leichen herausgesucht - tadaaa, hier sind sie:


Da sind ein paar Bücher drauf, von denen ich, als ich sie gekauft habe, niemals gedacht hätte, dass sie so lange ungelesen bleiben würden. Dancing Jax zum Beispiel oder Godspeed. Die ersten beiden Bücher von Diana Gabaldon habe ich auch sehr gerne gelesen, aber dann hat mir doch die Motivation gefehlt, zum dritten Wälzer zu greifen. 

Aber jetzt bin ich schwer motiviert, diese zehn Bücher nicht länger auf dem SUB liegen zu lassen und sie endlich zu lesen. Und hoffentlich brauche ich dieses Mal nicht wieder zwei Jahre...

Hat vielleicht jemand Lust mitzumachen? Welche sind eure 10 ältesten SUB-Leichen?

Sonntag, 9. April 2017

Emma, der Faun und das vergessene Buch - Mechthild Gläser


Wer auf der Suche nach einer niedlichen, kurzweiligen Geschichte ist, ist bei Emma, der Faun und das vergessene Buch genau richtig. Im Mittelpunkt steht hier die 16-jährige Emma, die nach den Ferien bei ihrer Mutter wieder zurück im Internat Schloss Stolzenburg ankommt. Ziemlich direkt zu Beginn der Geschichte findet sie in der Bibliothek ein geheimnisvolles, altes Buch. Neugierig fängt Emma an zu lesen und stellt fest, dass es sich um eine Chronik handelt, in der die Bewohner von Schloss Stolzenburg der letzten Jahrhunderte sämtliche Geschehnisse aufgeschrieben haben. Emma ist von den alten Einträgen fasziniert und beschließt, die Tradition fortzuführen und dort ebenfalls die Ereignisse im Internat festzuhalten. Doch kurz darauf geschehen an der Schule jede Menge merkwürdige Dinge und Emma beginnt zu verstehen, dass es sich bei dem Buch nicht einfach nur um eine Chronik handelt, sondern dass das Buch ganz besondere Kräfte hat.  

Emma versteht recht schnell, dass Magie in dem Buch schlummert - aber sie stellt ebenfalls schnell fest, dass sie mit dieser Magie sehr vorsichtig umgehen muss. Ihr kleines Geheimnis, das sie aber natürlich mit ihren beiden besten Freundinnen teilt, stellt Emmas Leben ganz schön auf den Kopf. Erschwerend hinzu kommt die plötzlich Ankunft von Darcy - seinen Vorfahren gehörte Schloss Stolzenburg, das nun als Internat dient, auf dem er selbst vor einigen Jahren zusammen mit seiner Schwester gelebt hat. Doch dann verschwand seine Schwester Gina und wurde seitdem nie mehr gesehen. Darcy hat die Hoffnung auf eine Rückkehr Ginas nicht aufgegeben und ist nun zurückgekehrt, um sie zu suchen. Emma passt das allerdings überhaupt nicht in den Kram. Sie hat mit der Suche nach dem geheimnisvollen Faun, der wiederholt in der Chronik erwähnt wird, genug am Hals - da kann sie den Fragen stellenden, herumschnüffelnden und arroganten Darcy wirklich nicht gebrauchen. Und Emma hat auch keine Scheu, Darcy gehörig ihre Meinung zu sagen. Das war unter anderem ein Grund, weshalb ich Emma, der Faun und das vergessene Buch von der ersten bis zur letzten Seite genossen habe: Emma ist ein aufgewecktes und mutiges Mädchen, das für sich selbst einsteht. Die Geschichte wird aus ihrer Sicht erzählt, sodass man einen guten Einblick in ihre Gefühle bekommt. Sie ist vom ersten Moment an sympathisch und - im Gegensatz zu anderen gleichaltrigen Protagonistinnen - nicht naiv. Stattdessen hinterfragt sie Dinge und macht sich selbst daran, diesen auf den Grund zu gehen.

Zum anderen haben der flüssige und leicht zu lesende Schreibstil der Autorin sowie die fantasievolle Geschichte das Buch zu einem Vergnügen gemacht. Die Seiten fliegen nur so dahin und es macht einen regelrecht traurig, wenn man das Buch für einige Zeit zur Seite legen muss. Mehrere Fragen ziehen sich durchgehend durch die Handlung, beispielsweise was es mit dem Faun auf sich hat, der genaue Hintergrund der Chronik und was vor vier Jahren mit Darcys Schwester Gina passiert ist. Emma versucht, all diese Fragen zu beantworten und spekuliert darüber durchweg in der ganzen Geschichte. Hier hatte man konstant das Gefühl, auf dem gleichen Wissenstand mit der Protagonistin zu sein und ihr kein Wissen voraus zu haben. Auf Lösungen, die als Leser vermeintlich offensichtlich sind, kommt Emma ebenfalls und zieht diese bei ihren Recherchen in Betracht - ob diese nun wahr sind oder nicht, ist wiederum eine andere Sache.

Insgesamt ist Emma, der Faun und das vergessene Buch eine magische Geschichte, die großen Spaß macht. Die Protagonistin ist mutig, hat Witz und steht für sich selbst ein - ein großer Pluspunkt und im Vergleich mit anderen Jugendbüchern herrlich erfrischend. Dafür gab es von mir 4 von 5 Herzen.


Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos vom Verlag für eine Rezension zugeschickt.

416 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag (auch als Ebook erhältlich)
Verlag: Loewe Verlag
Reihe: Einzelband

Samstag, 18. März 2017

Die Launenhaftigkeit der Liebe - Hannah Rothschild


Der eigentliche Inhalt des Romans Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild ist schnell wiedergegeben, in dem Buch steckt jedoch weit mehr als man anfangs denkt. Auf der Suche nach einem Geschenk findet die Protagonistin Annie in einem Trödelladen ein Gemälde und kauft es kurzerhand. Was sie nicht weiß: Es handelt sich um ein ganz besonderes Bild des Rokoko-Malers Watteau, nach dem die Kunstwelt schon lange sucht. Durch den Fund des Bildes löst Annie allerhand Turbulenzen aus - sie selbst ahnt davon zunächst jedoch nichts. Sie ist gerade dabei, nach einer vor kurzem beendeten Beziehung ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen und noch einmal ganz von vorne anzufangen. Sie ist alleine in die Großstadt gezogen und arbeitet bei einer Kunsthändlerfamilie als Köchin. Mehr muss man zum Inhalt kaum sagen, denn man sollte sich als Leser von diesem Buch überraschen lassen. Mich hat die Geschichte nicht nur überrascht, sondern auch begeistert und mitgenommen.  

Zu Beginn bekommt man ein kurzen Vorgeschmack auf das spätere Geschehen: Das Gemälde Die Launenhaftigkeit der Liebe von Watteau soll versteigert werden und Schätzungen zufolge wird es eine schier unglaubliche Summe einbringen. Danach erfährt man erst, wie Annie das Gemälde findet und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Aber schon während des Prologs werden die zahlreichen Charaktere kurz vorgestellt, mit denen man es im weiteren Lauf des Buches zu tun bekommt. Annie ist zwar die Protagonistin, aber die Geschichte steckt voller unterschiedlicher, teils sehr skurriler, Charaktere - da kann man schon mal kurz den Überblick verlieren. Sie alle sind aber irgendwie miteinander verbandelt und haben eine gewisse Beziehung zum Gemälde Watteaus. Dies macht die Geschichte sehr komplex, da man sich in die Hintergründe und Motivation jedes Einzelnen erst einmal hinein denken muss. Aber aufgrund des tollen Schreibstils der Autorin schließt man jeden einzelnen Charakter ins Herz, auch wenn seine Absichten nicht immer die besten sind. Was das Buch zudem besonders macht: Auch das Gemälde selbst kommt zu Wort und gibt kapitelweise einen Einblick in seine Vergangenheit - einfach grandios! Aber kommen wir zu Annie: Ihr wurde das Herz gebrochen, sie hat ihr komplettes Leben umgekrempelt und hat zudem mit einer alkoholkranken Mutter zu kämpfen. Sie hat es nicht leicht, behält aber immer einen kühlen Kopf, wofür ich sie sehr bewundert habe. Sie hat einen Traum und arbeitet fleißig daraufhin, lässt dabei aber auch mal andere wichtige Sachen aus den Augen. Kurzum: Sie ist eine tolle Protagonistin mit kleinen Makeln, die durch Zufall in eine Angelegenheit hineinrutscht, die ihr zum Verhängnis werden kann. 

Insgesamt fällt es mir schwer, die Launenhaftigkeit der Liebe zu beschreiben. Anfangs kostet es vielleicht einige Mühe, bis man richtig in der Geschichte drin ist, aber es lohnt sich. Sie ist gut durchdacht, macht Spaß zu lesen - auch wenn man kein großer Kunstkenner ist, - und ist wunderschön geschrieben. Es gab Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe und die dem Buch eine leichte Krimi-Note verleihen. Nachdem ich die letzte Seite umgeblättert habe, war ich richtig traurig, dass es vorbei war - und das ist mir lange nicht mehr passiert. Das Buch ist einfach anders und etwas Besonderes, weshalb ich es wirklich jedem ans Herz legen möchte. Ganze 5 von 5 Herzen gibt es von mir dafür. 


Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos vom Verlag für eine Rezension zugeschickt.

512 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Verlag: DVA
Übersetzer: Monika Baark
Reihe: Einzelband
Die Launenhaftigkeit der Liebe bei Amazon
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
 
Blogging tips