Dienstag, 3. Juli 2012

Extrem laut und unglaublich nah - Jonathan Safran Foer




Oskar Schell ist altklug und naseweis, hochbegabt und phantasievoll. Eine kleine Nervensäge, die schon mit neun Jahren eine Visitenkarte vorweist, auf der er sich als Erfinder, Schmuckdesigner und Tamburinspieler ausweist. Vor allem aber ist Oskar todtraurig und tief verstört. Nachdem sein Vater beim Angriff auf das World Trade Center ums Leben kam, will er herausfinden, warum Thomas Schell sich ausgerechnet an diesem Tag dort aufhielt. Mit seinem Tamburin zieht Oskar durch New York und gerät in aberwitzige Abenteuer. 



Extrem laut und unglaublich nah ist die Geschichte von Oskar, einem unglaublich spitzfindigen Jungen, dessen Vater am 11.September ums Leben kam. Oskar und sein Vater hatten eine ganz besondere Vater-Sohn-Beziehung; sein Vater erzählte ihm jeden Abend fantastische Geschichten und gab ihm Rätsel und Aufgaben auf, die Oskar lösen sollte. Doch Oskars Vater befindet sich zufällig im World Trade Center, als der Anschlag geschieht und plötzlich hat Oskar nur noch seine Mutter und seine Oma. Oskar hat große Schwierigkeiten mit dem Tod zurecht zu kommen und flüchtet sich immer wieder in seine Welt der Wissenschaft und unglaublicher Erfindungen.
Eines Tages findet Oskar im Schrank seines Vaters einen Schlüssel, der zu keinem Schloss in der Wohnung passt. Er kommt zu dem Schluss, dass dies eine der letzten Aufgaben seines Vaters an ihn ist und somit macht Oskar sich auf die lange Suche nach dem passenden Schloss.

Ich wusste nicht genau, mit welchen Erwartungen ich an dieses Buch heran gehen sollte. Eigentlich sollte man ja mit keinen bestimmten Erwartungen ein Buch anfangen, sondern ganz neutral zu lesen beginnen. Nun muss ich aber sagen, dass ich vor Kurzem versucht habe mir den Film anzusehen und nach einigen Minuten ausgemacht habe. Mir war das irgendwie zu...schräg. Da mir aber in den meisten Fällen das Buch besser gefällt als die Verfilmung, habe ich Extrem laut und unglaublich nah noch eine Chance gegeben und mir das Buch ausgeliehen. Zum Glück, muss ich jetzt sagen.

Das Buch beschreibt nicht nur die Suche Oskars nach den letzten Hinweisen seines Vaters, sondern erzählt auch die erstaunliche Geschichte seiner Großeltern. Der Großteil der Handlung ist aus Oskars Sicht geschrieben, was leicht verständlich und gut zu lesen ist. Eingeschoben sind allerdings immer wieder Briefe, die entweder von seiner Oma oder von seinem Großvater geschrieben wurden. Hier fand ich es manchmal etwas verwirrend, da nicht immer direkt klar war, wessen Brief gerade abgedruckt ist. Nach einiger Zeit habe ich aber ein Gefühl dafür entwickelt wer gerade erzählt und die Briefe haben mich doch alle sehr berührt.
Oskar empfand ich anfangs als...merkwürdig. Aber im Laufe des Buches kann man einfach nicht anders als ihn lieb zu gewinnen. Er erzählt und fragt unheimlich viel und in seinem Kopf scheint niemals Ruhe zu herrschen. Oskar ist anders, ja, aber ein Junge mit einem sehr großen Herz.

Das Buch ist insgesamt sehr schön aufgemacht, da es auch immer wieder Bilder enthält, die zur Geschichte passen. So ein dicker Wälzer, wie man zunächst annimmt, ist es nämlich gar nicht. Auf vielen Seiten steht teilweise nur ein Satz und die letzten 20-30 Seiten sind ein Daumenkino, weshalb man es ziemlich fix lesen kann.

Mir hat das Buch im Gegensatz zum Film sehr gut gefallen. Es ist kein Buch, bei dem man durch das Element der Spannung angetrieben wird weiter zu lesen. Wer vorwiegend solche Bücher mag ist mit Extrem laut und unglaublich nah wohl nicht so gut bedient. Aber wer einen kleinen Jungen auf einer Reise durch New York auf der Suche nach den letzten Spuren seines Vaters begleiten möchte, wer auch gerne mal ein kleines Tränchen verdrückt, und wer sich gerne von einem Buch zu Nachdenken anregen lässt, der ist hier richtig.
4 von 5 Herzen.




Seiten: 437
Verlag: Fischer Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 19. April 2007

Kommentare:

Streifenzebra hat gesagt…

Das Buch hört sich toll an und steht auch schon seit einigen Wochen auf meiner Wunschliste. Wenn nur nicht der SUB schon so groß wäre!

Anna hat gesagt…

Da muss ich doch bald mal wieder einkaufen =D

piubella hat gesagt…

Ich hab es mir vor kurzem gekauft und möchte es diesen Monat auch gelesen haben.
Schöne Rezi...ohne viel vom Inhalt zu verraten...toll!
Lass mal liebe Grüße da.
Piubella

Misty hat gesagt…

Gute Rezension und das Buch hört sich wirklich sehr interessant an :)
Wäre es möglich dass der Autor sich ein wenig auf "die blechtrommel" von Günter Grass bezieht? Dort läuft der kleine Protagonist, der ebenfalls Oskar heißt nämlich mit einer Trommel herum und ungewöhnlich begabt ist er als Schelm nämlich auch^^hat mich sofort daran erinnert, wäre wohl einen Vergleich wert


lg Misty

Pia hat gesagt…

Super Punkt! Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Habe Die Blechtrommel allerdings auch nicht gelesen (obwohl das als Germanistikstudentin eigentlich schon Pflicht ist, oder? Schande über mein Haupt). Aber ich werde es mir jetzt auf jeden Fall mal näher ansehen.

Kaugummiqueen hat gesagt…

Danke für die schöne Rezension :) Ich möchte das Buch auch schon länger lesen! Vielleicht lese ich es auf Englisch.
Grüße :)

Debbie hat gesagt…

Weißt du, dass ich deinen Blog auch noch nicht kannte? :O Verrückt!^^ Ich hab das gleich mal nachgeholt, mir gefällt die ganz Aufmachung und wie du schreibst! :D

Petzi hat gesagt…

Das Buch habe ich mir vor längerem gekauft und bin bisher irgendwie noch nicht dazu gekommen. Nach deiner Rezi muss ich das wirklich nachholen. Will es unbedingt lesen, bevor ich den Film dazu anschaue. :)

Grüße, Petzi

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