Montag, 16. Juli 2012

Little Bee – Chris Cleave

DSC_6656
rezi3
Manchmal wünscht sie sich, sie wäre eine englische Pfundmünze: dann würde sich nämlich jeder freuen, sie zu sehen. Little Bee ist sechzehn Jahre alt und stammt aus Afrika. In ihrer Heimat ist ihr Schreckliches zugestoßen, und seit zwei Jahren lebt sie in einem englischen Abschiebelager für Asyl-Bewerber. Trotz allem ist sie ein Mensch voll Lebensfreude, Witz und Intelligenz. Vor Jahren hat sie in Nigeria das Ehepaar Sarah und Andrew kennengelernt, die im englischen Kingston-upon-Thames ein privilegiertes Leben führen. Ein furchtbares gemeinsames Erlebnis hat eine tragischen Verbindung zwischen ihnen geschaffen. Als Little Bee aus dem Lager entlassen wird, ruft sie bei Sarah und Andrew an. Ein Anruf, der unvorhersehbare Folgen hat: Einige Tage später bringt Andrew sich um. Und kurz darauf steht Little Bee vor Sarahs Tür…

rezi4
Little Bee, so nennt sich ein 16-jähriges, aus ihrer Heimat Nigeria geflohenes Mädchen, das plötzlich und unerwartet aus einem englischen Abschiebegefängnis frei gelassen wird. Ratlos wie es weiter gehen soll, ruft sie die einzige Person an, die sie im ihr fremden England kennt: den Journalisten Andrew, den sie vor Jahren in Nigeria getroffen hat. Nichtsahnend welche Folgen dieser Anruf hat, macht sie sich auf den Weg zu ihm. Als sie dort ankommt, trifft sie jedoch nur seine Frau und seinen Sohn an. Denn Andrew hat sich das Leben genommen. Sarah, Andrews Frau, nimmt Little Bee bei sich auf und gemeinsam versuchen sie ihre erste Begegnung am Strand von Nigeria vor einigen Jahren, und ihre Folgen, zu verarbeiten.

Ich hatte schon viel von Little Bee gehört, aber worum es genau geht, wusste ich nicht. Daher hatte ich gar keine Erwartungen an das Buch und wurde ordentlich überrascht. Denn eine fröhliche, herzerwärmende Geschichte über die Freundschaft zweier völlig unterschiedlichen Frauen ist dies eindeutig nicht. Das Buch schockiert, ist intensiv und ehrlich.

Little Bee wird abwechselnd aus der Sicht von Little Bee und Sarah erzählt, wobei beide Frauen sehr genau ihre Gefühle wiedergeben. In beide Personen kann man sich sehr gut hinein versetzen und vor allem Little Bee ist mir ans Herz gewachsen. Sie hat eine unglaubliche Beobachtungsgabe und erzählt mit einer Heiterkeit, die den Leser zum Lachen bringt. Sie steckt voller Fantasie und spricht den Leser direkt an. Sie hat sich das “Englisch der Königin” wie sie es nennt, selber beigebracht, wodurch Missverständnisse, sobald sie aus dem Abschiebegefängnis frei gelassen wird, vorprogrammiert sind. Zusätzlich sind ihre Kommentare wie sie England sieht und was ihre Bekannten zu Hause in Nigeria dazu sagen würden, sehr unterhaltsam.
Diese Leichtigkeit und Lebensfreude Little Bees täuscht jedoch. Denn eigentlich ist sie ein Mädchen voller Angst, das sich in einer neuen Umgebung als erstes überlegt, wie sie sich dort am besten das Leben nehmen könnte. Man erfährt allerdings erst nach und nach, was genau ihr zugestoßen und warum sie aus Nigeria geflüchtet ist.

Auch Sarahs Geschichte lernt man nicht direkt kennen, sondern stückchenweise. Bei ihr ist nicht alles so, wie es auf den ersten Blick aussieht und langsam wird deutlich, dass in ihrer Ehe nicht alles ganz so glatt gelaufen ist. So wird die Antwort auf die Frage, wie ein Anruf eines Mädchens einen erwachsenen Mann in den Selbstmord treiben kann, hinaus gezögert und der Leser dazu angetrieben weiter zu lesen. 

Das Buch liest sich sehr leicht und die Sprache ist wunderschön. Sie nimmt den Leser völlig ein, und das auch schon auf den ersten paar Seiten, auf denen eine Pfundmünze zum Leben erweckt wird. Little Bee bringt einen zum Lachen und zum Weinen. Wenn auch nicht wirklich viel an Handlung passiert, sondern sich das Buch eher auf die Entwicklung der Beziehung von Little Bee und Sarah und die Vergangenheit beider konzentriert, habe ich das Buch trotzdem sehr gerne gelesen.

Wer sich auch gerne mal mit etwas ernsteren Themen auseinander setzt, und wer sich von einem Buch gerne mitreißen lässt, der sollte Little Bee auf jeden Fall lesen.

5 von 5 Herzen

5


312 Seiten, Taschenbuch
Verlag: dtv
Erscheinungsdatum: 1. Februar 2011

Little Bee bei Amazon
Kaugummiqueen hat gesagt…

Hey :) Eine schöne Rezension.
Ich habe "The other Hand" von Chris Cleave auf meinem SuB liegen (kann es sein, dass es das Gleiche ist? Deine Inhaltsangabe erinnert mich so daran o.O) und bin damals leider nicht wirklich rein gekommen... Aber deine Rezension klingt doch sehr vielversprechend :)
Grüße, KQ

Pia hat gesagt…

Ich habe das gerade mal recherchiert: "The Other Hand" ist das gleiche Buch wie "Little Bee". Der eine ist wohl der amerikanische, der andere der britische Titel. Versuch es noch mal mit dem Buch, es ist wirklich toll! :)

Crazy hat gesagt…

Das Buch hört sich sehr traurig an! Aber auch schön! :)
Tolle Rezension! ^^

DieJai hat gesagt…

Der Totel steht auch schon seit einer Weile auf meine Wunschliste. Nun nach deiner Rezension habe ich noch mehr Lust darauf, es zu lesen.

Liebe Grüße,
Jai

DieJai hat gesagt…

Ich meine natürlich "Titel" nicht Totel.

Marcia hat gesagt…

Hi,
ich bin gerade erst auf deinen Blog gestoßen, aber ich finde ihn echt toll. Bin gleich mal Leser geworden ;) Vielleicht hast du ja auch Lust mal bei mir vorbei zu schauen ;)

Alles Liebe Marcia ♥

http://www.teabooksandfairytales.blogspot.com

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
© zeilenblicke. Made with love by The Dutch Lady Designs.