Dienstag, 16. Oktober 2012

Ein plötzlicher Todesfall - Joanne K. Rowling



Als Barry Fairbrother mit Anfang vierzig plötzlich stirbt, sind die Einwohner von Pagford geschockt. Denn auf den ersten Blick ist die englische Kleinstadt mit ihrem hübschen Marktplatz und der alten Kirche ein verträumtes und friedliches Idyll, dem Aufregung fremd ist. Doch der Schein trügt. Hinter der malerischen Fassade liegt die Stadt im Krieg. Krieg zwischen arm und reich, zwischen Kindern und ihren Eltern, zwischen Frauen und ihren Ehemännern, zwischen Lehrern und Schülern.
Und dass Barrys Sitz im Gemeinderat nun frei wird, schafft den Nährboden für den größten Krieg, den die Stadt je erlebt hat. Wer wird als Sieger aus der Wahl hervorgehen – einer Wahl, die voller Leidenschaft, Doppelzüngigkeit und unerwarteter Offenbarungen steckt?

(Der Klappentext stammt von www.carlsen.de)
Pagford ist ein kleines, beschauliches Städtchen in England, in dem doch nicht alles so friedlich abläuft, wie gedacht. Barry Fairbrother stirbt ganz unerwartet, wodurch ein Platz im Gemeinderat frei wird. Mehrere Kandidaten wittern nun ihre Chance auf diesen Platz  und ein bisschen mehr Einfluss in Pagford. Die Kandidaten, die sich zur Wahl stellen, haben sehr unterschiedliche Meinungen und das Zentrum aller Diskussionen scheinen die Sozial-Wohnungssiedlung Fields und ihre Bewohner zu sein. Wer wird die Wahl in den Gemeinderat gewinnen und welche Konsequenzen wird dieser Sieg auf das Leben in Pagford haben?
Ein plötzlicher Todesfall - der erste Roman für Erwachsene von J.K. Rowling und sehnlichst von mir und vielen anderen erwartet. Mehrere Rezensionen habe ich schon darüber gelesen, einige waren begeistert, andere eher enttäuscht. Ich denke das Wichtige bei diesem Buch ist, den Kopf komplett auszuschalten und den Namen der Autorin auszublenden. Denn wenn man mit den Erwartungen von Harry Potter und Hogwarts an dieses Buch heran geht, kann man nur enttäuscht werden. So ging es mir anfangs auch, doch als ich mich von meinen Erwartungen vollkommen frei gemacht habe, hat mir Ein plötzlicher Todesfall sofort viel besser gefallen. Dies ist ein Erwachsenenroman und hat mit Harry Potter wirklich gar nichts gemeinsam.
Das Buch beginnt, wie der Titel bereits sagt, mit dem plötzlichen Tod des stets beliebten Barry Fairbrothers. Wo diese Begebenheit einerseits Bestürzung hervor ruft, keimt andererseits bei einigen Bewohnern Pagfords nun die Hoffnung nach ein bisschen mehr Einfluss. Mehrere Bewohner hoffen, den nun freien Platz im Gemeinderat ergattern zu können und stellen sich zur Wahl auf. Abwechselnd werden die einzelnen Kandidaten näher beleuchtet, sodass dem Leser ziemlich direkt deutlich wird, welche genauen Motive hinter der Wahl stehen. Doch auch weitere Bewohner von Pagford werden im einzelnen genauer vorgestellt und es zeigt sich ziemlich schnell, dass auch bei den vermeintlichen Vorzeigefamilien nicht alles ganz so friedlich abläuft. Viele Geheimnisse werden vertuscht, die aber dennoch auf mysteriöse Weise nach und nach aufgedeckt werden. 
Die langsame Aufdeckung dieser Geheimnisse und die ausführliche Vorstellung der einzelnen Familien nimmt ziemlich viel Zeit in Anspruch, sodass die ersten 250 Seiten viel geredet wird, aber es passiert nicht sonderlich viel. Zusätzlich werden sehr viele Personen näher vorgestellt und es ist schwierig, diese auseinander zu halten. Sogar gegen Ende des Buches musste ich am Anfang eines Kapitels jedes Mal kurz überlegen, wer denn diese Person um die es nun geht, noch einmal genau war. Diese Vielzahl an Charakteren macht das Lesen teilweise doch etwas beschwerlich. Trotzdem schafft es die Autorin dem Leser über jeden einzelnen Charakter ein ganz genaues Bild zu geben. Jeder hat seine Stärken und Schwächen, sodass man sogar Personen, die einem aufgrund ihrer politischen Meinung zunächst unsympathisch sind, an anderer Stelle tiefes Mitgefühl entgegenbringen kann. Wo man zunächst mit der Masse an Charakteren fast erschlagen wird, möchte man schließlich keine dieser Personen missen - sie alle sind von großer Bedeutung für diese Geschichte. 
Durch die großartige Ausarbeitung dieser Charaktere nimmt den Leser dieses Buch unfassbar mit. Aufgrund der teilweisen Kleinkariert- und Engstirnigkeit hätte ich das Buch zeitweise am liebsten an die Wand geworfen. Aber schließlich ist es doch genau das, was ein gutes Buch ausmacht: das Mitfühlen und absolute Eintauchen in die Handlung. Und das ist mir bei Ein plötzlicher Todesfall gelungen. Vor allem das Ende hat mich sehr mitgenommen und es hat einige Zeit gedauert, bis ich das Buch komplett verarbeitet hatte.

Für mich war Ein plötzlicher Todesfall nach anfänglicher Enttäuschung ein absolutes Highlight. Wo ich zunächst dachte, dass dieses Buch ein stetes Auf und Ab ist, überwiegen nach Beendigung des Romans für mich eindeutig die Höhepunkte. Das erste Drittel ist vielleicht etwas beschwerlich, aber sobald man wirklich in der Handlung drin ist, lassen einen die Geschehnisse in Pagford so schnell nicht wieder los. Die Ausarbeitung und Verknüpfung der einzelnen Charaktere ist grandios und man kommt dadurch nicht umhin, sich von der Diskussion um Fields mitreißen zu lassen. Ich bin begeistert, ziehe aber doch in der Bewertung ein Herz ab, da es ein wenig dauert, bis man richtig in die Handlung abtauchen kann. 
4 von 5 Herzen



576 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Verlag: Carlsen
Erscheinungsdatum: 27. September 2012
Ein plötzlicher Todesfall bei Amazon

Der angegebene Klappentext stammt von www.carlsen.de

Misty hat gesagt…

Sehr ausführliche Rezension :)

Mich hat das Ende auch extrem mitgenommen und ich habe ein paar Stunden gebraucht um alles zu verdauen und mich zu beruhigen. Nach so vielen Seiten mit den Protagonisten waren einige der letzten Geschehnisse sehr aufwühlend.

Lg Misty

real-booklover hat gesagt…

Ich habe jetzt gerade fast das erste Drittel durch und hoffe wirklich, dass es jetzt so langsam losgeht :D

Zurzeit quäle ich mich noch ein wenig, weil sooo viele Namen und verschiedene Geschichten auftauchen.
Mein Freund meinte schon, dass ich noch nie so langsam gelesen habe :D

Aber schlecht ist das Buch deswegen nicht ;)

Kaugummiqueen hat gesagt…

Eine tolle Rezension. Ich möchte das Buch auf jeden Fall auch noch lesen und gehe gar nicht erst mit dem Harry-Potter-Gedanken daran. Ich glaube, dass das Buch mir gefallen wird. Ich habe eben auch einen ganz schönen Verriss von Spiegel-Online gelesen, da merkte man einfach, dass der Rezensent viel zu sehr auf Harry Potter fixiert war. Leider ist mir das Buch momentan zu teuer. Daher warte ich einfach bis Weihnachten (vielleicht bekomme ich es ja geschenkt^^), oder bis es als Taschenbuch erscheint, auch wenn das natürlich noch dauern wird.
Liebe Grüße, KQ

Elif hat gesagt…

Jetzt hast du mich noch neugieriger gemacht. Ich muss das Buch unbedingt bald lesen!

Ally Lala hat gesagt…

Oh ich finde dein Bilder immer so toll :D
Alles Liebe
Ally ♥
http://allys-wildebuecherwelt.blogspot.de/

Sonne hat gesagt…

So, nachdem du mir ja so einen netten Kommentar hinterlassen hast, wollte ich mir natürlich gern mal deine Rezension anschauen ;) Die letzten knapp 300 Seiten scheinen ja wirklich viel besser zu sein als die ersten 250 - das beruhigt mich doch sehr. Auf den 100 Seiten, die ich bisher geschafft habe, ist ja noch nicht außerordentlich viel passiert. Die Figuren sind aber auch da schon wunderbar ausgearbeitet. Das kann sie eben, die Rowling ;)
Ich bin gespannt und hoffe, dass ich das Ganze letztendlich so empfinden werde wie du. Danke für die schöne Rezension!

Wortszenerie hat gesagt…

Ich glaub, das ist genau das Problem des Buches: obwohl man es selbst gar nicht wahrnimmt, denkt man trotzdem, dass das Buch irgendwie wie Harry Potter sein muss. Deswegen hat das sicherlich auch diesen Boom, den alle erwartet haben, nicht so ausgelöst, wie es zu Zeiten von Harry Potter Neuerscheinungen der Fall war.
Ich weiß ja noch nicht so genau, ob ich das Buch lesen will. Man kann sich einreden... nein, eher MUSS man sich einreden, dass dies Buch und Harry Potter zwei verschiedene Dinge sind... aber ob einem das gelingt, ist die Frage^^ Und ich denke da steht und fällt die Sympathie, die man zum Buch / zur Handlung / zu den Charakteren aufbaut.
Und das Cover ist nu wirklich nicht grad das hübscheste... ;)
Aber vielleicht muss man dem einfach ne Chance geben, ich grübel mal noch ne Runde. Aber sehr gute Rezension!! Baut mich etwas auf, es vielleicht doch mal zu wagen ;)
Liebe Grüße,
Lyrica

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