Sonntag, 6. Januar 2013

Der Kinderdieb - Brom




Nachdem Nick mit einigen üblen Typen aneinander geraten ist, sieht er keinen anderen Ausweg als von zu Hause wegzulaufen. Ohne die geringste Idee, wo genau er hingehen soll, läuft ihm Peter, der merkwürdige Junge mit den spitzen Ohren, scheinbar zum richtigen Zeitpunkt über den Weg. Er bietet Nick an, dass er mit ihm nach Avalon in seine Feste kommen kann. Ein merkwürdiges Angebot, wie Nick findet, doch trotzdem nimmt er es an, denn sonst hat er keine Möglichkeiten irgendwo unter zu kommen.
Nichtsahnend was ihn erwartet, folgt Nick Peter durch den Nebel nach Avalon. Eine Entscheidung, die er schon bald bereut, aber ein Erlebnis, das ihm vor Augen führt, was wirklich wichtig ist.


So ganz wusste ich nicht, worauf ich mich bei Der Kinderdieb einlasse, da der Klappentext nicht allzu viel über die Handlung verrät. Aber bereits im Prolog habe ich bemerkt, dass dieses Buch anders ist, als andere Jugendbücher. Der Protagonist Peter ist keinesfalls so harmlos wie sein Namensvetter Peter Pan, an den die Figur des Kinderdiebs eindeutig angelehnt ist. Mit dem Wissen, dass es auch schon mal sehr brutal zugehen kann, sollte man auf jeden Fall an das Buch heran gehen. 
Mich hat diese Brutalität zu Anfang etwas erschrocken, da ich darauf überhaupt nicht vorbereitet war, aber trotzdem hat mich Der Kinderdieb sehr schnell in seinen Bann gezogen, sodass die Seiten förmlich nur so dahin geflogen sind.
Zunächst wir die Geschichte von Nick geschildert, wie er gerade sein Zuhause verlassen musste und nun auf der Flucht vor einem Drogendealer ist, der sich im Haus seiner Mutter eingenistet hat. Nick steckt voller Groll, vor allem auf seine Mutter, der er die Schuld an allem gibt, was passiert ist. Da kommt ihm Peter, der ihn - wenn auch mit sehr zweifelhaften Mitteln - aus einer misslichen Lage befreit, gerade recht. Peter zeigt ihm, wie man Spaß haben kann und obwohl Nick dieser Junge etwas merkwürdig vorkommt, geht er auf sein Angebot, mit nach Avalon zu kommen, ein. Ein Entschluss, den Peter schnell bereut, denn Avalon ist nicht das Nimmerland! Auch hier werden Kinder niemals erwachsen, aber gefährliche Gestalten treiben hier ihr Unwesen und die Teufel, andere von Peter entführte Kinder, machen zunächst auch keinen freundlichen Eindruck.

Nachdem Peter Nick nach Avalon geführt hat, wo Nick nun eine sehr aufregende Zeit bevor steht, trennen sich die Wege der beiden zunächst wieder. Im Wechsel werden Nicks Erlebnisse auf der Insel und Peters weitere Vorhaben beziehungsweise seine gesamte Geschichte erzählt. Die Verwebung von Gegenwart und Vergangenheit wurde sehr geschickt gestaltet, sodass man als Leser das Gefühl hat, wirklich in Peters Kopf zu stecken und sich in seinen Erinnerungen zu verlieren.
Peter als Charakter ist wirklich besonders. Er schreckt vor Gewalt nicht zurück und handelt an einigen Stellen wirklich zweifelhaft, weshalb man ihm als Leser nicht unbedingt eine große Sympathie entgegenbringt, aber dennoch kann man ihn und seine Motive verstehen - was nicht nur an der genauen Beleuchtung seiner Vergangenheit liegt. Peter ist einfach einzigartig, nicht zu vergleichen.


Die Atmosphäre im Buch ist durchweg düster. Die Insel liegt komplett im Nebel und die grauenvollen Wesen und die rätselhaften Fleischfresser, die dort leben, lassen diesen Ort wirklich nicht besonders freundlich erscheinen. Zusätzlich, wie bereits erwähnt, ist das Buch von einer gewissen Brutalität geprägt und der Autor hält sich mit detaillierten Beschreibungen von enthaupteten Leibern und ähnlichem wirklich nicht zurück. Für jemanden, der zartbesaitet ist, ist dieses Buch eindeutig nicht zu empfehlen, beim Lesen musste ich an einigen Stellen vor Ekel ein paar Mal tief durchatmen. Zum Teil war es mir eindeutig zu heftig.
Auf der anderen Seite muss man genau dies auch lobend erwähnen: Dadurch, dass einem beim Lesen auch mal leicht übel wird zeigt doch, dass der Autor es versteht, den Leser mitzureißen! Deswegen hat mich dieses Buch absolut fasziniert. Die Charaktere - Nick, Peter, die Teufel und viele andere - sind sehr detailliert ausgearbeitet und geben der atemberaubenden Geschichte das besondere Etwas. Vor allem die Wandelbarkeit und die Entwicklungen, die einige der Charaktere vollziehen, sind erstaunlich. So mag nicht jeder wirklich so sein, wie er auf den ersten Blick erscheint.

Zwischenzeitlich hat sich meines Empfindens nach die Handlung ein wenig gezogen, lange Zeit wusste ich nicht, worauf genau alles hinaus läuft, aber trotzdem hat mich Der Kinderdieb völlig mitgerissen. Ich wurde überrascht, schockiert, beeindruckt und habe mit Peter, Nick und allen anderen mitgefiebert. 
Ein tolles Extra sind die Illustrationen, die zu Beginn eines jeden Kapitels stehen und auch weitere Zeichnungen der Charaktere in der Mitte des Buches. So sieht man Peter und die übrigen Charaktere beim Lesen noch deutlicher vor seinem inneren Auge.
Der Kinderdieb ist ein wahres Abenteuer. Es lohnt sich, sich von Peter nach Avalon entführen zu lassen - wenn auch nur als Leser, denn so schön es klingt niemals erwachsen zu werden, einer von Peters Teufeln möchte ich trotzdem nicht werden.

4 von 5 Herzen





664 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Verlag: PAN  Verlag (inzwischen leider aufgelöst)
Erscheinungsdatum: 15. Februar 2012




Kommentare:

Ivy hat gesagt…

Aw, wie schön, dass du das Buch gerade rezensierst :) Ich habe es gerade gestern geschenkt bekommen. Was bei dir unter'm Strich steht sieht ja vielversprechend aus :3 Da freu ich mich doch drauf

Kaugummiqueen hat gesagt…

Hallo Pia,
schön, dass du das Buch schon gelesen hast und es freut mich noch mehr, dass es dir gefallen hat. Deine Meinung spiegelt auch so ziemlich genau meine wieder. Trotz der Brutalität und der Grausamkeit konnte es mich fesseln und beeindrucken. Ein Buch, das man jedenfalls nicht so schnell vergisst.
Liebe Grüße, KQ

pimisbuecher hat gesagt…

Danke für die Buchvorstelung, ich will es schon seit längerem lesen, aber man kennt das ja, irgendwas kommt immer dazwischen.
Werde ich mir mal auf die Februarliste schreiben :-)
Gruß
Miriam

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