Dienstag, 29. Januar 2013

Eve & Caleb-Wo Licht war - Anna Carey





Wie überlebst du, wenn du vor allem fliehen musst, was du kennst?

Seit ihre Mutter während der Großen Seuche vor 16 Jahren gestorben ist, lebt Eve in einem Mädcheninternat. Hier wird sie zu einem wertvollen Mitglied der neuen Gesellschaft ausgebildet – glaubt sie zumindest. Als Eve erkennt, wie sehr sie und die anderen Mädchen ausgebeutet werden sollen, flieht sie. Doch auf ein Überleben in der Wildnis und auf die Flucht vor den Soldaten des Neuen Amerikas ist Eve nicht vorbereitet. Unerwartet hilft ihr Caleb, ein junger Rebell. Kann Eve ihm trauen? Sie weiß, die Soldaten werden die Suche nicht aufgeben, und Caleb ist ihre einzige Möglichkeit zu überleben. Sie muss ihr Leben in die Hände eines Fremden legen.


Eve & Caleb-Wo Licht war ist der erste Teil einer Trilogie, wobei schwer zu bestimmen ist, ob es sich hierbei nun um eher eine Dystopie oder um eine Liebesgeschichte handelt. Ich würde sagen, es ist beides.
Schon allein der Titel weist darauf hin, dass es sich hier um das Paar Eve und Caleb handelt, die aber aufgrund der Umgebung,  in der sie leben nicht zusammen sein dürfen. Und hier steckt sozusagen der Kern der Geschichte: Liebe gibt es nicht mehr und dem scheinen sich Eve und Caleb zu widersetzen.

Alle jungen Mädchen leben in Schulen zusammen, da ihre Eltern der Seuche zum Opfer gefallen sind und dürfen das Schulgelände aus Angst vor der Seuche nicht verlassen. Diesen Mädchen wird von klein auf eingebläut, dass Männer böse, brutal und nur darauf aus sind, mit ihnen zu schlafen.
Auf der anderen Seite wird den Mädchen in diesen Schulen ein neues Zuhause, genug Nahrung gegeben, und die Aussicht auf ein freies Leben in der Stadt aus Sand nach ihrem Abschluss.
Erstaunlich war es für mich daher direkt zu Beginn, dass Eve – Musterschülerin und kurz vor ihrem Abschluss – sich trotz ihrer vollen Überzeugung, dass die Lehrerinnen es nur gut mit ihr und den anderen Mädchen meinen, sich von einer Mitschülerin so schnell verunsichern lässt. Zufällig erwischt Eve eines der Mädchen kurz vor ihrer Flucht aus der Schule und als diese ihr erzählt, dass die Lehrerinnen die Mädchen nur anlügen und sie niemals die Stadt aus Sand sehen werden, glaubt Eve ihr dies nicht direkt, überprüft aber trotzdem in der Nacht die Aussagen der Mitschülerin. Und das, was Eve daraufhin entdeckt, ist ungeheuerlich! Für sie ein Grund, sofort von der Schule zu fliehen.
Die Tatsache, dass Eve sich so schnell von einer Mitschülerin in ihrer tiefen Überzeugung verunsichern lässt, kam mir zwar etwas unwahrscheinlich vor, ist aber für die eigentliche Geschichte natürlich ungeheuer wichtig und daher kann man darüber hinweg sehen.


Das Leben, wie Eve es nun außerhalb der Schule erlebt, ist komplett das Gegenteil zu dem, was sie bisher in der Schule kennen gelernt hat. Es gibt kaum Essen, die Städte sind alle komplett ausgestorben und überhaupt werden diese vom Tod, ausgelöst durch die Große Seuche, beherrscht: Knochen liegen verstreut und Särge stehen auf den Straßen. Die Atmosphäre in Eve & Caleb ist demnach alles andere als fröhlich und Anna Carey ist es gelungen, eine erschreckende Zukunftsvision zu erschaffen, die sich wirklich gut lesen lässt. Vor allem die eingestreuten Metaphern und die wunderschönen Darstellungen von Eves Gedankengängen haben mir sehr gut gefallen, da durch diese das Lesen wirklich Spaß macht. 

Wo sich Eve von der Aussage ihrer Mitschülerin davon, was die Lehrerinnen nach ihrem Abschluss wirklich mit den Mädchen vorhaben, sehr schnell hat beunruhigen lassen, war sie in ihrer restlichen Handlungsweise glaubwürdiger. Als sie in der Wildnis Caleb kennen lernt ist sie ihm gegenüber sehr vorsichtig und zurückhaltend und auch anderen Männern gegenüber ist sie sehr skeptisch. Mit Eve als Charakter hatte ich daher keine großen Probleme, auch wenn sie zeitweise in meinen Augen ziemlich dumm handelt. Aber dies gibt wiederum ordentlich Stoff für den weiteren Verlauf der Handlung.
Caleb war für mich der Lichtblick der Geschichte. Ihn muss man einfach von Anfang an ins Herz schließen und wie er und Eve sich langsam annähern ist wirklich herzerwärmend.
Womit ich bei der Geschichte allerdings Probleme hatte, war leider die fehlende Spannung. Der Anfang ist aufgrund von Eves Entdeckung und ihrer anschließenden Flucht sehr spannend, doch kurz darauf lässt dies auch wieder nach. Eve lernt in der Wildnis nach einiger Zeit andere Kinder kennen, unter anderem Caleb, aber trotzdem passiert eigentlich nicht sonderlich viel. Erst das letzte Drittel konnte mich wieder mitreißen und die Geschichte nimmt wieder an Tempo auf.

Aufgrund des spannenden letzten Teils und das unfassbare Ende der Geschichte konnte ich die fehlende Spannung im mittleren Teil von Eve & Caleb-Wo Licht war verzeihen. Eve mag vielleicht nicht die stärkste Protagonistin sein und treibt den Leser aufgrund einiger dummer Entscheidungen in den Wahnsinn, aber dennoch macht sie im Laufe der Geschichte eine große Entwicklung durch. Vor allem der geschmückte Sprachstil der Autorin muss gelobt werden, der das Lesen keinesfalls beschwerlich macht, aber das Lesevergnügen um einiges steigert. Insgesamt eine gute Geschichte, auf deren weiteren Verlauf ich gespannt bin.

3 von 5 Herzen
Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos vom Verlag für eine Rezension zur Verfügung gestellt.

304 Seiten, Taschenbuch
Verlag: Loewe
Erscheinungsdatum: 16. Januar 2013
Reihe: Erster Teil einer Trilogie


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