Sonntag, 21. April 2013

Sternenseelen. Wenn die Nacht beginnt - Kerstin Pflieger




Wieder einmal muss Lilly aufgrund eines neuen Mannes ihrer Mutter in eine neue Stadt ziehen und wieder ganz von vorne anfangen. Dieses Mal jedoch scheint es sich bei der neuen Beziehung von ihrer Mutter um etwas Ernsteres zu handeln. Schnell lebt sich Lilly in der neuen Heimat ein, was auch an ihrem sympathischen fast-Stiefbruder Samuel liegt. Die beiden verstehen sich auf Anhieb.
An ihrer neuen Schule bekommt Lilly auch schnell Anschluss und fühlt sich wohl. Nur ihr Mitschüler Raphael gibt ihr Rätsel auf. Lilly fühlt sich direkt zu ihm hingezogen, im Unterricht beachtet er sie allerdings kein bisschen. Doch wenn die beiden sich nachts begegnen, ist Raphael wie ausgewechselt.
Nachdem Lillys Bruder Samuel in einen schweren Unfall verwickelt ist, ist jedoch plötzlich nichts mehr wie zuvor. 
Lillys Leben ändert sich schlagartig und nur Raphael scheint ihr helfen zu können. 



Der kleine inhaltliche Überblick von Sternenseelen klingt nicht unbedingt neu und ich war anfangs etwas skeptisch. Der ungewöhnliche Titel und die Frage, ob die Autorin aus dieser fast schon Klischee-Konstellation - Mädchen zieht in neue Stadt, verliebt sich sofort in Jungen, der sie aber erst nicht beachtet, weil er irgendein magisches/mystisches Wesen ist und das Mädchen vor ihm schützen möchte - doch etwas Neues und Spannendes erschaffen hat. Ich kann direkt sagen, dass Kerstin Pflieger das für mich gelungen ist.

Die Anfänge der Geschichte sind wirklich nicht besonders ungewöhnlich. Lilly kommt mit ihrer Mutter in ihrer neuen Heimat an und versteht sich auf Anhieb sehr gut mit Samuel, dem Sohn des neuen Freundes ihrer Mutter. Auch auf der neuen Schule, die eigentlich ein Internat ist, lebt sich Lilly schnell ein und lernt einige nette Mädels kennen. Der rätselhafte Raphael lässt natürlich auch nicht lange auf sich warten und mich hat von Anfang an brennend interessiert, wer oder was er genau ist. Das war auch der Aspekt, der mich am meisten an dieser Geschichte fasziniert und mich dazu animiert hat, weiter zu lesen. Was genau hat sich die Autorin hier überlegt? Dass es mit Sternen zu tun haben muss, gibt ja schon der Titel her, aber trotzdem hatte ich bis zur Aufklärung - die eine Weile auf sich warten lässt - keine genaue Idee. Das Buch konnte mich demnach wirklich packen und ich musste wissen, wie es weiter geht.
Ich möchte inhaltlich nicht zu viel  verraten, da für mich auch gerade die Frage, was nach dem Unfall mit Samuel los ist, Sternenseelen total spannend gemacht hat. Diese Spannung und das Rätseln möchte ich anderen nicht kaputt machen. Aber ich kann sagen, dass die Geschichte mit diesem Aspekt einen schon fast ungeheuren und gruseligen Charakter bekommen hat, der für mich auch absolut notwendig war. Wäre es nur um die sich anbahnende Beziehung zwischen Raphael und Lilly gegangen, hätte mir das Buch sicher nicht so gut gefallen. Aber die Geschehnisse um Samuel haben dem gesamten Buch eine gewisse "Würze" verliehen. 

Zu Lilly als Charakter kann ich leider nicht besonders viel sagen, sie ist insgesamt für mich etwas blass geblieben. Sie wünscht sich so sehr ein normales Leben und eine heile Familie und kurzzeitig hat sie diese vollständige Familie auch mit einem euen Bruder und Vater. Aber schnell wird ihr das auch schon wieder weggerissen. Ich konnte daher mit Lilly sehr mitfühlen, habe aber trotzdem manche ihrer Entscheidungen als leichtsinnig, fast schon als dämlich empfunden. 
Mit Raphael konnte ich nicht richtig viel anfangen. Mich hat, wie bereits erwähnt, sehr interessiert, was hinter seinem merkwürdigen Benehmen steckt. Nachdem dies aufgeklärt ist, war er für mich dann aber leider doch eher uninteressant. Das mag aber auch daran liegen, dass die Liebesbeziehung zwischen Lilly und ihm viel zu schnell ging und teilweise schon sehr schnulzige Ausmaße hatte. 
Auch die schnelle Herzlichkeit zwischen Lilly und Samuel am Anfang hat mich etwas gestört. Sofort nennen sie sich Bruder und Schwester und benehmen sich wie ein Herz und eine Seele, dabei kennen sie sich gerade mal ein paar Stunden. Das war für mich doch eher unwahrscheinlich, vor allem da ich den Eindruck gehabt hätte, dass Lilly als Mädchen, die immer wieder aus ihrem Freundeskreis gerissen wurde und in eine neue Stadt ziehen musste, neue Menschen in ihrer Umgebung vielleicht nicht sofort so nah an sich heran lässt? Vielleicht ist es aber auch der tiefe Wunsch nach einer intakten Familie, weshalb sie sich direkt so geschwisterlich mit Samuel verhält. Für mich war diese schnelle Herzlichkeit trotzdem etwas zu viel des Guten.


Die Geschichte lässt sich sehr leicht lesen und ist schön spannend geschrieben. Dadurch, dass nach der Aufklärung, was mit Raphael und Samuel los ist, noch ein weiterer Gegenspieler eingeführt wird, bleibt die Spannung auch konstant erhalten. Zunächst wiederholt die Autorin sich in einigen Beschreibungen - so wird Michelle, eine der neuen Freundinnen von Lilly, immer wieder als rothaarige Schönheit bezeichnet - aber dies legt sich nach einer Weile und die Geschichte lässt sich flüssig lesen. 

Insgesamt hat Sternenseelen. Wenn die Nacht beginnt mich davon überzeugt, dass man auch aus einer schon existierenden Grundkonstellation etwas Neues erschaffen kann. Die Geschichte beinhaltet viele neue Aspekte und ist durchweg spannend. Auch wenn mich die Charaktere nicht zu 100% Prozent überzeugt haben und sich die Liebesbeziehung zu schnell entwickelt hat, hat mir die Geschichte viel Spaß gemacht und konnte mich packen. 
Wer Lust auf etwas Neues hat - verpackt in ein alt bewährtes Schema - der wird am ersten Teil von Sternenseelen sicher seine Freunde haben!

4 von 5 Herzen

Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos vom Verlag für eine Rezension zur Verfügung gestellt.

416 Seiten, Klappenbroschur
Verlag: Goldmann
Erscheinungsdatum: 15. April 2013
Reihe: 1. Teil der Sternenseelen-Reihe

Anna hat gesagt…

Sternenseelen...
wenn Raphaels Geheimnis mehr oder weniger eine Mischung von STERNENschimmer und SEELEN ist, dann muss ich das Buch lesen :)

glitzerfee hat gesagt…

Ich hatte eine Mail bekommen ob ich das Buch rezensieren mag aber dachte mir, dass ist wieder dieses 08/15 Jugendbuch. Jetzt bereue ich es doch ein wenig nach deiner schönen Rezension.

Liebe Grüße
Vanessa

Miss Bookiverse hat gesagt…

Von dem Buch hab ich bisher noch nie was gehört, aber das Cover ist voll schön und es scheint ja auch nicht allzu schlecht zu sein, Merk ich mir mal :)

Wonder_ hat gesagt…

Ich habe Lilly zwar nicht als blass, dafür aber zunächst als sehr unsympathisch empfunden, was sich aber zum Glück mit der Zeit gelegt hat.
Die Liebesgeschichte hat mir eigentlich gut gefallen, was aber auch daran liegen kann, dass meine eigenen Beziehung ähnlich verlaufen ist.

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