Dienstag, 17. September 2013

In einem Boot - Charlotte Rogan




Grace ist frisch verheiratet mit Henry Winter, einem jungen Mann aus reichem Hause, als sie sich am Vorabend des ersten Weltkriegs auf der Zarin Alexandra einschifft. Doch nach einer mysteriösen Explosion sinkt der Ozeandampfer, und Henry erkauft seiner Frau einen Platz in einem Rettungsboot.
Den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert, treibt das überladene Boot wochenlang auf offener See. In einer Atmosphäre aus Misstrauen und unterdrückter Aggression stellen sich existentielle Fragen.

Sollen die Stärkeren sich opfern, damit die Schwächeren überleben können? Oder besser umgekehrt? Wer darf das entscheiden? Und sitzt Grace überhaupt zu Recht in diesem Boot?
Grace überlebt die Katastrophe, findet sich aber Wochen später vor einem Gericht in New York wieder. Die Anklage lautet auf Mord.


Auf In einem Boot hatte ich mich sehr gefreut und war extrem gespannt, was genau auf dem Rettungsboot vor sich geht und warum die Protagonistin, nachdem sie so knapp mit dem Leben davon gekommen ist, wegen Mordes angeklagt wird. So richtig hat das Buch letztendlich dann nicht meinen Erwartungen entsprochen, aber das Geschehen auf dem Boot hat mich dennoch sehr mitgenommen.

Aufgrund des Klappentextes habe ich erwartet, dass es in der Geschichte zum Großteil um den Gerichtsprozess von Grace geht, doch das war nicht der Fall. Nach einem kurzen Prolog, in dem man als Leser direkt darüber aufgeklärt wird, dass sich Grace tatsächlich gerade mitten in einem Mordprozess befindet, erfolgt ein Zeitsprung und die Handlung setzt kurz nach dem Schiffsuntergang ein. Man bekommt die Aufzeichnungen von Grace zu lesen, die sie auf Anraten ihres Anwaltes über die gesamten Geschehnisse auf dem kleinen Rettungsboot aufschreibt. Die Perspektive, die man als Leser vorgesetzt bekommt, ist demnach sehr beschränkt, was mich einerseits leicht gestört hat, da ich auch an einigen anderen Charakteren sehr interessiert war. Andererseits wird dadurch, dass einige Fragen ungeklärt bleiben und man nicht sicher ist, wer welche Absichten hat, die Spannung ungemein gesteigert. 
Am meisten interessiert hat mich jedoch die Frage, warum genau Grace wegen Mordes angeklagt wird. Darüber wird man nicht direkt aufgeklärt und ich hatte schnell eine Vermutung, die sich dann aber nicht bewahrheitet hat. Ich musste also rätseln und es dauert ein Weilchen, bis sich herausstellt, was genau zu der Anklage geführt hat. Ein Aspekt, aufgrund dessen mir das Buch gut gefallen hat. Wäre direkt zu Beginn klar gewesen, warum die Klage gegen Grace läuft, hätte mich In einem Boot wahrscheinlich nicht wirklich packen können.

Der Hauptteil der Geschichte spielt auf dem Rettungsboot, es wird sich also nicht großartig mit Kleinigkeiten aufgehalten - man wird direkt in die Geschehnisse kurz nach dem Schiffsuntergang hinein geworfen. Und direkt wird deutlich, wie brutal es zum Teil auf diesen Booten zugeht und dass ein Überleben nur möglich ist, wenn man einen Platz auf einem Rettungsboot bekommen hat. 
Die Ereignisse, die geschildert werden, haben mich teilweise wirklich schockiert und lassen einen überlegen, wie man sich selbst in einer solchen Situation verhalten würde - wenn es wirklich um das blanke Überleben geht. Denn es stellt sich heraus, dass auch das Überleben derjeniger, die einen Platz auf dem Rettungsboot bekommen haben, nicht garantiert ist. Die Szenen, die sich hier abspielen, sind wirklich dramatisch und haben mich schlucken lassen. 
Trotzdem hat es eine Weile gedauert, bis ich wirklich in der Geschichte drin war. Von Anfang an konnte mich Grace' Geschichte leider nicht fesseln. Das lag zum einen an den vielen verschieden Personen, die namentlich erwähnt werden, aber insgesamt sehr blass bleiben, sodass ich Schwierigkeiten hatte, die Namen zuzuordnen. Häufig habe ich Charaktere verwechselt oder musste immer wieder kurz überlegen, wer denn jetzt noch mal wer war. 
Leider hatte ich auch mit Grace ein paar kleinere Probleme. Mit ihr bin ich nicht ganz warm geworden und einige ihrer Handlungen konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Ihre Rückblicke in die Vergangenheit, in ihr Leben vor ihrer Hochzeit, haben mich zum Teil auch eher an ihrer Persönlichkeit zweifeln lassen und sie mir nicht unbedingt sympathischer gemacht. 
Das Ende war für mich dann leider etwas zu abrupt. Ich hätte mir gewünscht, dass dem eigentlichen Prozess um Grace etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt worden wäre. Stattdessen kam mir der Schluss des Buches dann ein wenig schnell "abgefrühstückt" vor. 

Trotz der kleinen Mängel hat mir In einem Boot insgesamt gut gefallen. Die geschilderten Ereignisse in dem Rettungsboot regen zum Nachdenken an und nehmen einen beim Lesen sehr mit, was für mich in erster Linie das war, was diese Geschichte ausmacht. Das Verhalten einiger Charaktere schockiert und bringt den Leser dazu zu überlegen, wie man selbst in einer solchen Situation reagieren würde. Spannung kommt vor allem dadurch auf, dass man darüber im Dunkeln gehalten wird, warum genau Grace wegen Mordes angeklagt wird.
Die Idee des Buches fand ich auf Anhieb klasse und auch wenn ich eine Weile brauchte, bis ich vollkommen in Grace' Geschichte abtauchen konnte, haben mich die Ereignisse doch sehr mitgenommen.

3 von 5 Herzen

Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos vom Verlag für eine Rezension zur Verfügung gestellt.

333 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Verlag: Script5
Erscheinungsdatum: 16. September 2013
Reihe: Nein

Kommentare:

Anna hat gesagt…

Mimimieee, wie kann ein Buch mit so einem Cover und so einem Klappentext denn nicht perfekt sein?
Egal, lesen muss ich es auf jeden Fall :D

Kübra und Laura hat gesagt…

Wow, echt tolle Rezension und sehr schöner Blog! :)

Du hast einen neuen Leser :D Nämlich mich. Freue mich bei jedem Gegenbesuch :)

Liebe Grüße!
switching-sides.blogspot.de

Cherry hat gesagt…

Schade, dass es dir nicht ganz so gut gefallen hat. Ich habe es geliebt :)

Yara Koto hat gesagt…

Hey! Wirklich schöner Blog, habe mich gleich als neue followerin eingetragen ;)

freue mich wenn du zurück folgst
www.dilesbeauty.blogspot.de

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