Freitag, 10. Januar 2014

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert - Joel Dicker




Es ist der Aufmacher jeder Nachrichtensendung. Im Garten des hochangesehenen Schriftstellers Harry Quebert wurde eine Leiche entdeckt. Und in einer Ledertasche direkt daneben: das Originalmanuskript des Romans, mit dem er berühmt wurde. Als sich herausstellt, dass es sich bei der Leiche um die sterblichen Überreste der vor 33 Jahren verschollenen Nola handelt und Quebert auch noch zugibt, ein Verhältnis mit ihr gehabt zu haben, ist der Skandal perfekt. Quebert wird verhaftet und des Mordes angeklagt. Der einzige, der noch zu ihm hält, ist sein ehemaliger Schüler und Freund Marcus Goldman, inzwischen selbst ein erfolgreicher Schriftsteller. Überzeugt von der Unschuld seines Mentors - und auf der Suche nach einer Inspiration für seinen nächsten Roman - fährt Goldman nach Aurora und beginnt auf eigene Faust im Fall Nola zu ermitteln ...

(Quelle des Klappentextes)


Schon mehrmals habe ich mich hingesetzt und versucht, eine Rezension zu Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert zu schreiben. Aber schon lange hatte ich nicht mehr so große Schwierigkeiten, meine Gedanken zu Wort zu bringen. Ich würde gerne sagen, dass dies an meiner großen Begeisterung liegt und mir vor lauter Überraschung die Worte fehlen - so, wie es ja scheinbar vielen anderen Lesern des Buches ging. Aber es liegt doch eher daran, dass ich hin- und hergerissen und noch nicht wirklich zu einem befriedigenden abschließenden Urteil gekommen bin. 

Ich glaube, die Meisten sind sich darin einig, dass Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert voller Überraschungen steckt und den Leser besonders am Schluss vollkommen aus den Socken haut. Ich kann dem leider nur teilweise zustimmen.
Bevor ich aber näher darauf eingehe, komme ich erst einmal zum Inhalt. Marcus Goldman, Autor eines sehr erfolgreichen Romans, steckt in der Klemme. Der Abgabetermin seines nächsten Romans naht, aber bisher hat er kein einziges Wort zu Papier gebracht, er leidet unter der "Schriftstellerkrankheit". In der Hoffnung, dass Harry Quebert, sein früherer Professor, Freund und selbst Bestseller-Autor, ihm helfen kann, besucht er ihn in seinem Haus in der Kleinstadt Aurora. Doch kurze Zeit später stellt sich heraus, dass Harry selber Hilfe braucht. In seinem Garten wird die Leiche eines vor über 30 Jahren verschwundenen Mädchens gefunden und Harry wird des Mordes beschuldigt. Noch pikanter wird die Geschichte als heraus kommt, dass Harry mit dem damals 15-jährigen Mädchen ein Verhältnis gehabt hat. Das kleine Städtchen Aurora hat sich gegen Harry verschworen und möchte mit dem ehemals so sehr bewunderten Schriftsteller nichts mehr zu tun haben. Nur Marcus hält noch zu seinem Mentor und ist der festen Überzeugung, dass Harry Nola nicht umgebracht hat. Er beginnt auf eigene Faust in dem Fall zu ermitteln, um den guten Namen seines Freundes wieder rein zu waschen.

Man begleitet als Leser nun Marcus dabei, wie er Ermittlungen anstellt, die Bewohner Auroras befragt und anfängt, in der Vergangenheit zu graben. Der Bericht von Marcus wird bei einer neuen Enthüllung jedoch auch immer wieder unterbrochen und die Geschehnisse aus der Zeit kurz vor dem Verschwinden von Nola Kellergan Mitter der 70er Jahre werden geschildert. Diesen Wechsel der Perspektive und der Zeit fand ich spannend und hat dem Buch eine besondere Dynamik verliehen. Ebenfalls gut gemacht - zumindest bis zu einem gewissen Zeitpunkt für mich - fand ich, dass man als Leser pausenlos miträtselt, was denn nun passiert ist vor so vielen Jahren. Man ist sich von Anfang an sicher, dass Marcus auf der richtigen Spur ist und Harry das Mädchen nicht umgebracht hat. Aber wer war es denn dann? Hierbei gelingt es dem Autor, dass man immer wieder einen neuen Verdacht hegt und man sich sicher ist, was vor über 30 Jahren geschehen ist. Doch kurz darauf wird dieser Verdacht auch wieder zerschlagen und man steht wieder ganz am Anfang da.
Mein Problem jedoch war, dass ich circa in der Mitte des Buches nicht nur einen Verdacht hatte, sondern ein oder zwei bestimmte Einzelheiten der Auflösung wusste - und das nur aufgrund eines klitzekleinen Nebensatzes, der eigentlich kaum auffällt, aber wenn man ihm doch seine Aufmerksamkeit schenkt, etwas verrät. Es stellte sich zu Schluss heraus, dass ich richtig lag, auch wenn sich mir die kompletten Zusammenhänge anhand dieses Nebensatzes natürlich nicht erschließen konnten. Trotz meines Verdachts konnte mich die gesamte Enthüllung am Ende zwar überraschen. Die große Spannung, mit der die Geschichte begonnen hat, war für mich jedoch ab der Hälfte des Buches verloren.

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht und bis zur Hälfte konnte mich das Buch wirklich fesseln. Danach jedoch hatte Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert leider seinen Reiz verloren, da ich wohl zu aufmerksam gelesen habe und so einen Teil der Auflösung wusste. Ich bin mir nicht sicher, ob das mein eigener Fehler ist oder ob dieser eine Nebensatz vom Autor vielleicht schlecht gewählt wurde. Fest steht für mich, dass ich auch gerne in der zweiten Hälfte des Buches mitgerätselt und immer wieder auf neue Fährten geführt worden wäre. Wäre dies der Fall gewesen, wäre meine Bewertung sicherlich nicht schlechter als 5 Herzen ausgefallen, denn dann wäre ich von den Enthüllungen gegen Schluss wohl komplett vom Stuhl gefegt worden. Aber so schwanke ich leider zwischen 3 und 4 Herzen, wobei mir 3 eigentlich zu wenig erscheint, 4 Herzen aufgrund meines fehlenden Lese-Vergnügens in der zweiten Hälfte aber auch wieder zu viel. Daher vergebe ich insgesamt

3,5 von 5 Herzen


736 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Verlag: Piper
Erscheinungsdatum: 13. August 2013
Reihe: Nein
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