Samstag, 6. Juni 2015

Mein Herz und andere schwarze Löcher - Jasmine Warga




Aysel ist ein junges Mädchen, das ihre gesamte Zukunft noch vor sich hat. Doch trotzdem möchte sie nicht mehr leben und trägt seit langer Zeit Selbstmordgedanken mit sich herum. Damit sie endlich ihren Entschluss umsetzen kann, sucht sie sich in einem Internetforum einen sogenannten Selbstmordpartner. So lernt sie Roman kennen und sie beschließen, ihrem Leben gemeinsam ein Ende zu setzen. Immer wieder treffen sich die beiden, um die Einzelheiten zu besprechen. Eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden entsteht, die Aysels Welt vollkommen auf den Kopf stellt.


Mein Herz und andere schwarze Löcher hat mich von der ersten Seite an ergriffen. Die Protagonistin Aysel wird von Depressionen geplagt und hat beschlossen, Selbstmord zu begehen. Obwohl man zu Anfang noch nichts Näheres über die Hintergründe für ihr geplantes Vorhaben weiß, fühlt man sich ihr sehr verbunden. Grund dafür ist der eingängige, schon fast poetische und somit sehr berührende Schreibstil der Autorin. Dieses liebenswerte Mädchen wird aus irgendeinem Grund von ihrer gesamten Heimatstadt gemieden. Alles, was man erfährt, ist dass ihr Vater eine sehr schlimme Tat begangen hat, für die Aysel nun die Konsequenzen zu tragen hat: Jeder geht ihr aus dem Weg, sie fühlt sich vollkommen allein gelassen.

Schon allein das hat mich sehr berührt und Aysels Verzweiflung ist deutlich zu spüren. Als sie Roman im Internet kennenlernt, wird die Geschichte jedoch noch emotionaler. Denn Roman ist ebenfalls schwer depressiv und kann es scheinbar kaum erwarten, seinem Leben endlich ein Ende zu setzen. Den Tag seines Todes hat er bereits bis ins Detail geplant: Zeitpunkt und Ort stehen fest und sind nicht zu ändern. Da er und Aysel beschließen, sich zusammen umzubringen, sind somit auch Aysels Tage gezählt. 26 Tage bleiben ihr noch, als das Buch anfängt. Vor jedem Kapitel steht, wie viel Zeit Aysel noch hat – ein Countdown bis in den Tod sozusagen, der mich jedes Mal hat schlucken lassen. Denn zwischen Roman und Aysel, die sich zunächst überhaupt nicht kennen, entsteht ein zartes Band, das jedoch immer wieder zu zerreißen droht. Roman ist fest entschlossen, Selbstmord zu begehen und nichts kann ihn davon abhalten. Für ihn gibt es keinen anderen Ausweg. Aysel hingegen scheint mit der Zeit, dank Roman, zu verstehen, dass es möglicherweise auch eine andere Lösung gibt. Aysel ist innerlich zerrissen: Sie hat Roman das Versprechen gegeben, nicht zu kneifen. Und die schwarze Qualle in ihrem Inneren, die Depression, kann sie auch nicht so einfach überwinden. Trotzdem konnte ich nicht aufhören zu hoffen, dass sie nicht nur sich selbst vollkommen davon überzeugt, dass es sich zu leben lohnt, sondern auch Roman.

Die Geschichte hat mich daher sehr berührt. Einerseits aufgrund der Tatsache, dass zwei so junge Menschen keinen anderen Ausweg sehen, als sich das Leben zu nehmen. Andererseits weil die beiden sich scheinbar gut tun, sich gegenseitig helfen könnten, das Thema Selbstmord aber trotzdem konstant für beide eine Rolle spielt. Insgesamt für mich eine herausragende, wunderschön geschriebene Geschichte, die man gelesen haben sollte. 

5 von 5 Herzen

Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos vom Verlag und vorablesen.de für eine Rezension zur Verfügung gestellt.

384 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Übersetzt von: Adelheid Zöfel aus dem Amerikanischen
Reihe: Nein

Kommentare:

lesemomente.net hat gesagt…

Eine sehr schöne Rezension von dir! Ich mochte das Buch auch richtig gerne!

Anika B hat gesagt…

Eine ganz tolle Rezi <3 Ich habe die Leseprobe gelesen und seit dem steht das Buch auf meiner Wunschliste.

René u. Jessi Swiecik hat gesagt…

Dsa Buch ist mir bisher noch gar nicht aufgefallen, aber jetzt muss ich es echt unbedingt lesen!
Danke für die schöne Rezi!

Liebe Grüße
Jessi

Nelly G. hat gesagt…

Eine super Rezi und jetzt bin ich ganz sicher, dass das Buch zu Recht auf meiner WuLi gelandet ist :)

Viele liebe Grüße, Nelly

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