Donnerstag, 27. Oktober 2016

Auf Zehenspitzen berühre ich den Himmel - Amanda Prowse



Poppy ist 32 Jahre alt, hat zwei niedliche Kinder und ist mit der Liebe ihres Lebens verheiratet. Ihr Familienglück wird allerdings zerstört, als sie eines Tages einen Knoten in der Brust entdeckt. Die Diagnose: Krebs. Poppy muss sich plötzlich damit abfinden, nicht für immer für ihre Familie da sein zu können. Doch der Gedanke an ihre Kinder lässt sie ungeheure Kräfte entwickeln und sie fasst den Entschluss, ihre größten Wünsche noch wahr werden zu lassen. 

Schon dieser kleine Einblick in den Inhalt von Auf Zehenspitzen berühre ich den Himmel von Amanda Prowse macht deutlich, dass dieses Buch keine fröhliche und auch keine besonders aufbauende Lektüre ist. Das Buch soll vor allem eines: traurig machen. Das wird bereits auf den ersten 50 Seiten deutlich, auf denen sich dem Leser eine schier übertriebene Familienidylle präsentiert. Mehrmals wird man hier auf die Folter gespannt, indem die Protagonistin gefühlt auf jeder dritten Seite unter der Dusche steht und man nur so darauf wartet, dass sie den Knoten in der Brust findet. Aber nein, vorher muss einem mehr als deutlich vor Augen geführt werden, wie perfekt Poppys Leben als Ehefrau von Martin und Mutter von Peg und Max ist. 

Zu Beginn war ich daher von der Geschichte recht genervt – diese Idylle hat auf mich eher aufgesetzt als authentisch gewirkt. Trotzdem wollte ich Auf Zehenspitzen berühre ich den Himmel eine Chance geben. Und siehe da: Plötzlich hat mich das Geschehen kaum noch losgelassen. Schwupps waren 250 Seiten an einem Stück gelesen. Bis hierhin konnte mich die Geschichte sehr mitnehmen, auch wenn mich einige Punkte weiterhin gestört haben, besonders was die Familienmitglieder anging. So konnte ich mit Poppys Ehemann Martin nicht viel anfangen und konnte sein Verhalten mehrmals nicht nachvollziehen. Zudem hat sich die achtjährige Tochter der beiden  für mein Empfinden eher wie eine Vierjährige aufgeführt. Zusätzlich ist der Aspekt von Poppys größten Wünschen und deren Erfüllung für mich etwas zu sehr im Hintergrund verschwunden. 

Die Protagonistin selbst habe ich jedoch sehr gemocht. Die Diagnose Krebs ist selbstverständlich eine furchtbare Nachricht und ein Schock für sie. Aber sie gibt nicht auf, sie möchte kämpfen und versinkt nicht in Selbstmitleid – das mochte ich sehr. Nach etwa 250 Seiten hat die Geschichte jedoch eine Wendung genommen, die mir sämtliche bisherige Lesefreude genommen hat. Vielleicht haben andere Leser mit diesen Geschehnisse keine Probleme, aber für mich war das ein absolutes No-Go. Von einem Moment auf den anderen ist meine Meinung über das Buch gekippt und ich konnte den Rest der Geschichte leider kaum genießen. Da hat auch die selbstbewusste, sympathische Protagonistin nicht mehr helfen können.

Auf Zehenspitzen berühre ich den Himmel ist ein Buch, das auf die Tränendrüsen drücken will – das sollte einem bereits beim Lesen des Klappentextes bewusst sein. Wer solche Bücher mag, wird sicherlich nicht enttäuscht sein. Auch mich konnte die Geschichte nach anfänglichen Schwierigkeiten mitreißen. Doch meine Begeisterung hat ein jähes Ende gefunden, nachdem die Geschehnisse eine Wendung genommen haben, mit der ich mich überhaupt nicht anfreunden konnte. 

3 von 5 Herzen



384 Seiten, Taschenbuch
Verlag: Piper Verlag
Übersetzer: Karin Dufner
Reihe: Einzelband

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
© zeilenblicke. Made with love by The Dutch Lady Designs.