Donnerstag, 10. November 2016

Die Menschheit hat den Verstand verloren - Astrid Lindgren



Vor längerer Zeit bin ich in einer Buchhandlung vor dem Biografie-Regal gelandet und habe mich in eine Biografie von Astrid Lindgren verguckt. Kurze Zeit später bekam ich statt der ursprünglich gewünschten Biografie Die Menschheit hat den Verstand verloren von Astrid Lindgren mit den Worten geschenkt: "Das hat sie immerhin selbst geschrieben" - denn es handelt sich hierbei um ihre Tagebücher aus den Jahren 1939-1945. Die Freude und Spannung auf das Buch bei mir war seitdem groß. Leider wurde ich doch ein wenig enttäuscht.

Zuerst aber einmal zum Aufbau des Buches: Pro Jahr sind zunächst die übersetzten Aufzeichnung von Astrid Lindgren zu lesen. Anschließend sind Aufnahmen von Seiten der Original-Tagebücher mit Zeitungsartikeln abgedruckt, die die Autorin in ihre Tagebücher eingeklebt hat. Die Übersetzung dieser ist im Anschluss daran zu finden. In den Tagebucheinträgen wird sich an manchen Stellen auf die eingeklebten Artikel bezogen - ist dies der Fall, ist am Rand die Seitenzahl gedruckt, auf der dieser Artikel zu finden ist. Allerdings gelangt man so nicht direkt zur Übersetzung, sondern zum Original-Artikel. Die Seitenzahl der deutschen Version muss man selbst heraussuchen. Daraus resultiert beim Lesen ein häufiges Blättern und Suchen, das den Lesefluss doch sehr stört. 

Auch meine Erwartungen an den Inhalt an sich wurden leider etwas enttäuscht. Die Autorin hat sich nach Ausbruch des 2. Weltkrieges vorgenommen, die Geschehnisse genauestens zu dokumentieren und hat daher die Tagebücher begonnen. Dementsprechend lesen sie sich eher wie Nachrichtenartikel, in denen alles, was zu der Zeit auf der Welt geschieht, zusammengefasst wird. Untermalt wird das Ganze mit den bereits erwähnten Zeitungsausschnitten. Ich hatte mir jedoch mehr Einblicke in das Leben der Autorin erhofft. Hin und wieder gibt sie kleinere Hinweise auf das Familienleben oder auch auf die Entstehung ihrer ersten Geschichten, dies steht aber wirklich eher im Hintergrund. Wer das Buch lesen möchte, sollte sich dessen also bewusst sein und auf jeden Fall ein Interesse am 2. Weltkrieg haben. Dies ist bei mir vorhanden, weshalb ich Die Menschheit hat den Verstand verloren auch gerne gelesen habe. Allerdings hatte ich bestimmte Erwartungen - unter dem Begriff "Tagebuch" habe ich mir einfach etwas anderes vorgestellt.

Bezüglich der Aufmachung des Buches hat mich das Blättern zu den Übersetzungen gestört. Aber davon abgesehen hat sich der Verlag viel Mühe gegeben. Zu Beginn eines jeden neuen Tagebuch-Jahres ist beispielsweise als Kapiteltrenner das Vorsatzpapier des jeweiligen originalen Tagebuchs wiedergegeben. Zu Beginn und Ende eines jeden Kapitels sind Fotos aus dem Privatleben der Kinderbuch-Autorin abgedruckt. Zudem ist am Ende des Buches eine Kopie des Briefes zu finden, den Astrid Lindgren zusammen mit ihrem Manuskript von Pippi Langstrumpf an den Bonnier Verlag geschickt hat. Ebenfalls abgedruckt ist die Antwort mit der Absage des Verlags. Diese kleinen Goodies fand ich ebenfalls sehr interessant. Trotzdem war ich beim Lesen aufgrund anderer Erwartungen an das Buch leider ein wenig enttäuscht. Insgesamt gibt es daher von mir 3 von 5 Herzen. 


576 Seiten, gebunden
Übersetzer: Angelika Kutsch, Gabriele Haefs
Reihe: Einzelband

1 Kommentar:

Winterkatze hat gesagt…

Ich habe die Tagebücher auch vor kurzem gelesen und fand es eigentlich ganz spannend eine "neutrale" Perspektive auf die Kriegszeit zu bekommen. Was die persönlichen Aspekte in den Tagebüchern angeht, so hat man vermutlich mehr davon, wenn man vorher mindestens eine Biografie über Astrid Lindgren gelesen hat, um die kleinen Andeutungen besser zuordnen zu können. Ich fand vieles eher zwischen den Zeilen verborgen (auch wenn ich da vielleicht stellenweise etwas in Nebenbemerkungen hineininterpretiert habe, weil ich eben das Wissen um ihr Privatleben beim Lesen im Hinterkopf hatte).

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